INFORMATIONEN FÜR

SCHULE

Förder- und Edukationszentrum - Schulprojekte Alle Texte können Sie sich im PDF- Format ausdrucken. 
MOSAIC Associació Socio-Pedagògica per Relacions Interculturals Geschäftsführer: Tomasz Owczarski Pädagogische Leitung: Kerstin Orth Projektschulen: Wolfgang Praszel
ADRESSE El Prat de Sant Pere 1 E-17850 Besalú (Girona) Spanien
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Inhaltsverzeichnis: Text zum Download: 1. Struktur 2. Zielgruppen 3. Standorte 4. Schuleinrichtung 5. Lernphasen und Lerngruppen 6. Fremdsprachlicher Unterricht im jeweiligen Gastland 7. Unterrichtsrahmen 8. Vorberufliche Qualifizierung 9. Pädagogische Grundhaltung 10. Schulberichte zweier Schülerinnen 1. Struktur Mosaic bietet in allen bestehenden Projekten Schulunterricht an, der per Fernschulmaterial für jeden Jugendlichen die Möglichkeit bietet einen staatlichen Schulabschluss zu absolvieren. Jugendliche, die sich den Projekten von Mosaic befinden, können unabhängig von Vorbildung und Alter am intensivbetreuten Unterricht teilnehmen. Die enge Zusammenarbeit der Schulen untereinander und der Austausch von Erfahrungen in den einzelnen Schulprojekten ist wichtiger Bestandteil im Förder- und Edukationszentrum von Mosaic. 2. Zielgruppen Die Schulprojekte sind geeignet für SchülerInnen im Alter von 13 und bis über die Volljährigkeit hinaus. Es gibt keine Vorbedingungen bezüglich Schulbesuch oder Leistungsstand. Da unsere SchülerInnen in der Regel jahrelang nicht mehr an irgendeiner Art von Unterricht teilgenommen haben, ist im Vorfeld oft keine Einschätzung darüber möglich, ob eine Lernbehinderung, eine Lernschwäche, eine Teilleistungsstörung oder lediglich Lernschwierigkeiten vorliegen. Voraussetzung für den Schulbesuch ist deshalb vor allem die Bereitschaft des Jugendlichen in die Schule zu kommen sowie eine gewisse Gruppenfähigkeit. 3. Standorte Die Schulprojekte des Can Costica Mädchenprojektes und des Can Oliveras Jungenprojektes befinden sich räumlich getrennt voneinander. Das Förder- und Edukationszentrum der Mädchen befindet sich in der kleinen Stadt Besalú, in der sich auch das Mosaic Projekt Büro befindet. Das Förder- und Edukationszentrum der Jungen befindet sich in Maià de Montcal, einem Nachbardorf von Beuda, dem Standpunkt des Gruppenhauses Can Oliveras. Beide Schulen liegen direkt an der Verbindungsstraße Figueres – Olot und sind deshalb sowohl für die Jugendlichen aus der Gruppe, als auch für die Einzelbetreuten selbständig mit dem Bus oder per Fahrrad zu erreichen. Die Schulprojekte für die spanischen/katalanischen Jugendlichen in Spanien, Deutschland und Polen befinden sich im Aufbau. Das Förder- und Edukationszentrum zur Restaurations-Ausbildungsstätte Molí d'Oli soll in das Projekt selbst eingebunden sein, jedoch im Austausch mit den bestehenden Schulprojekten stehen. 4. Schuleinrichtung Das Förder- und Edukationszentrum der Mädchen ist in einer Fünfzimmerwohnung untergebracht, in der vier Unterrichtsräume und ein Büro Platz finden. Das Förder- und Edukationszentrum der Jungen ist in einem freistehenden Haus mit kleinem Garten untergebracht. Die beiden Unterrichtsräume befinden sich im Erdgeschoss, es besteht zusätzlich die Möglichkeit im überdachten Hof zu lernen. Den Schülern und Schülerinnen steht eine Auswahl an Unterrichtsmaterialien (Schulbücher für die Sekundarstufe I, Computer mit Internetanschluss, Kartenwerke für den Geographie- und Biologieunterricht, Lernspiele usw.) zur Verfügung. Für die Gestaltung und Sauberhaltung der Schulräume sind die Jugendlichen mitverantwortlich. 5. Lernphasen und Lerngruppen Orientierungsphase Bevor die SchülerInnen in den gemeinsamen Unterricht integriert werden, findet für einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen ein „Schnupperunterricht" außerhalb der normalen Schulzeiten statt. Der/Die SchülerIn soll dabei einen ersten Eindruck von den Arbeitsweisen und Möglichkeiten der Schule bekommen und die LehrerInnen kennen lernen. Außerdem ist dieser erste Unterricht nach Jahren ohne systematisches Lernen auch eine Gelegenheit für die Jugendlichen selbst festzustellen, was sie noch können und was nicht. Auch die LehrerInnen versuchen sich ein erstes Bild von Wissensstand, Motivation und Leistungsvermögen der SchülerInnen zu machen. Am Ende der Orientierungsphase wird geklärt, ob der/die SchülerIn zunächst die Vorklasse besucht oder sich direkt auf den Hauptschulabschluss oder den Realschulabschluss vorbereiten wird. Vorklasse In der Vorklasse wird schwerpunktmäßig in den Fächern Deutsch und Mathematik, aber auch in ausgewählten Nebenfächern, an den Stoff des 5. Schuljahres anknüpfend Grundlagenwissen aufgearbeitet, bzw. neu vermittelt (Grundrechenarten in Mathematik, Lesefähigkeit, Rechtschreibung, Grundkenntnisse in Grammatik u.v.m.). Dabei wird ein besonderes Gewicht darauf gelegt, Vertrauen in die eigene Lernfähigkeit zu vermitteln.      Neben dem Standardangebot des Hauptschulabschlusses bieten wir seit einigen Jahren zusätzlich auch einen Realschulabschluss an. Seit kurzer Zeit haben wir unser Programm außerdem durch das Zusatzangebot des Abiturs erweitert. Hauptschulklasse Die SchülerInnen, die ein Förder- und Edukationszentrum besuchen, können jeweils im Frühjahr und Herbst eines Jahres durch Teilnahme an einer schriftlichen und mündlichen Prüfung einen externen Hauptschulabschluss erwerben. Wenn sich SchülerInnen den Erwerb des Hauptschulabschlusses als Ziel setzen, werden sie beim Institut für Lernsysteme in Hamburg oder im sgd - Studiengemeinschaft Darmstadt, (Fernschulen mit Lehrauftrag für deutsche SchülerInnen), angemeldet und nach deutschen Lehrplänen auf den Hauptschulabschluss vorbereitet. Unterrichtsfächer sind in der Regel Deutsch, Mathematik, Biologie, Geschichte, Physik, Englisch, Sozial- und Erdkunde. In der Regel ist mindestens ein Jahr Unterricht in der Hauptschulklasse notwendig, um genügend vorbereitet zu sein. Realschulklasse Ähnlich wie der Hauptschulabschluss kann auch der Realschulabschluss erworben werden. Da die Anforderungen für die SchülerInnen, die zu uns kommen, sehr hoch sind, geschieht die Vorbereitung auf den Realschulabschluss in der Regel nicht in der Gruppe, sondern im Einzelunterricht und Selbststudium. Anders als beim Hauptschulabschluss ist beim Realschulabschluss Englisch (oder eine andere Fremdsprache) zwingend vorgeschrieben. Abitur SchülerInnen, die das Abitur bei uns per Fernschulmaterial absolvieren wollen, lernen selbständig und werden von den LehrerInnen bei Bedarf unterstützt. Berufsqualifizierender Unterricht Nach dem Erwerb des Hauptschulabschlusses bieten die Schulprojekte für diejenigen SchülerInnen, die noch im jeweiligen Projekt bleiben, aber nicht den Realschulabschluss machen wollen, berufsqualifizierenden Unterricht an. Dieser Unterricht umfasst Berufsfindungstests, Bewerbungstraining, Vermittlung von Grundkenntnissen in Arbeitsrecht und Wirtschaft u.a.m.. Über die Anzahl der Unterrichtsstunden pro Woche und die Dauer des Kurses muss von Fall zu Fall entschieden werden - je nachdem, ob der/die SchülerIn in absehbarer Zeit nach Deutschland zurückkehrt oder hier vor Ort berufspraktische Angebote wahrnimmt.    Die Lernphasen in den Projekten Can Pairó für spanische/katalanische Jugendliche und Molí d'Oli für europäische Jugendliche weichen von den hier beschriebenen ab und berücksichtigen die schulischen Strukturen des jeweiligen Landes. 6. Fremdsprachlicher Unterricht im jeweiligen Gastland In den Schulprojekten für deutsche Jugendliche wird auch Unterricht in Spanisch und/oder Katalanisch angeboten. Dieser Unterricht soll den SchülerInnen die Kontaktaufnahme vor Ort vereinfachen. Kenntnisse in der Landessprache erleichtern aber auch die Möglichkeit, berufliche Praktika zu finden und an den berufsorientierenden Kursen der katalanischen Regierung teilzunehmen (s.u.). Außerdem bietet sich hier den SchülerInnen, die zumeist keine oder kaum Englischkenntnisse besitzen, die Möglichkeit, eine Fremdsprache zu erlernen, was nicht nur für ihren weiteren Bildungsweg wichtig ist, sondern ihnen auch die positive Erfahrung vermittelt, dass sie andere Sprachen lernen können. In den Förder- und Edukationszentren für katalanische Jugendliche soll ebenfalls die Möglichkeit bestehen auf die jeweilige Landessprache vorbereitet zu werden und sie nach Ankunft im jeweiligen Auslandsprojekt zu vertiefen. Die Jugendlichen der Restauration-Ausbildungsstätte Molí d'Oli müssen vorab einen spanischen oder katalanischen Sprachkurs absolvieren, um sich mit den einheimischen Fachkräften auf der Baustelle verständigen zu können. Auch da Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern Europas aufeinander treffen sollen, werden während der Teilnahme am Programm die Kenntnisse der bisher erlernten Fremdsprachen ausgebaut werden können. 7. Unterrichtsrahmen Förder- und Edukationszentrum der Mädchen: Der Unterricht findet am Montag, Dienstag und Donnerstag jeweils von 08.20 Uhr bis 13.30 Uhr, am Mittwoch und Freitag von 10:20 Uhr bis 13:30 Uhr statt. Die Zeiten orientieren sich an den Busfahrzeiten. Pro Tag finden vier, bzw. sechs Unterrichtsstunden à 35 Minuten statt. Der Freitag ist zusätzlich mit Tests, Putzen und Schulbesprechung/Einzelgesprächen besonders gestaltet. Förder- und Edukationszentrum der Jungen: Der Unterricht findet Montag und Donnerstag Nachmittag von 14 bis 18 Uhr und Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 14 Uhr statt. Pro Tag erfolgen sechs Unterrichtsstunden à 30 Minuten. Der Freitag ist zusätzlich mit Tests, Putzen und Schulbesprechung besonders gestaltet.    In beiden Schulen finden regelmäßig Konferenzen und Teamsitzungen zwischen LehrerInnen und den Bezugsbetreuern statt 8. Vorberufliche Qualifizierung Interessierte SchülerInnen der Schulprojekte können ein Praktikum absolvieren, um klarere Vorstellungen über einen zukünftigen Beruf zu bekommen. Da es zum Beispiel im Gesundheitsbereich auch deutschsprachige Fachkräfte gibt, sind spanische Sprachkenntnisse dafür keine Voraussetzung. Darüber hinaus können aber auch die Berufsvorbereitungskurse der katalanischen Regierung von unseren SchülerInnen genutzt werden. Diese Kurse entsprechen in etwa den Maßnahmen, die die Bundesanstalt für Arbeit für arbeitslose Jugendliche anbietet. Sie vermitteln praktische und theoretische Grundkenntnisse in verschiedenen Berufsbereichen (z.B. im Hotel- und Gaststätten-, Friseur- und Maurerbereich). Für die erfolgreiche Teilnahme an diesen Kursen erhalten die SchülerInnen ein Zertifikat. Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind die LehrerInnen und BetreuerInnen den Jugendlichen behilflich 9. Pädagogische Grundhaltung Die Förder- und Edukationszentren haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen Unterricht anzubieten, der sich in erster Linie an den SchülerInnen und ihrer jeweiligen Problematik orientiert. Insbesondere die große Flexibilität der Unterrichtsformen und Methoden und das günstige Verhältnis der LehrerInnen- und SchülerInnenzahl macht ein individuell abgestimmtes Unterrichtsangebot möglich. Die LehrerInnen der Schulprojekte gehen davon aus, dass praktisch alle Jugendlichen im Projekt traumatische Erfahrungen mit Lernen, LehrerInnen und Schule gemacht haben und verstehen sich deshalb nicht nur als WissensvermittlerInnen, sondern auch als LerntherapeutInnen, die den SchülerInnen zu einer neuen Selbsterfahrung als lernfähige und intelligente Menschen verhelfen wollen. Die LehrerInnen der Schulprojekte bemühen sich, die einzelnen SchülerInnen auch in Phasen mangelnder Motivation immer wieder neu für den Lernprozess zu gewinnen und SchülerInnen mit großer Motivation ebenfalls entsprechend ihren Bedürfnissen und ihrer Begabung zu unterrichten. Immer wieder wird gemeinsam nach Möglichkeiten und Wegen gesucht, eine Brücke zwischen den individuellen Schwierigkeiten und dem gesteckten Ziel zu bauen. Dabei ist es unter Umständen auch nötig die persönlich angestrebten Ziele der SchülerInnen neu zu überdenken und gegebenenfalls zu korrigieren. Für die Richtigkeit dieser Überlegungen scheint für uns zu sprechen, dass alle SchülerInnen, die wir in den letzten Jahren für die Hauptschulprüfung angemeldet haben, diese Prüfung auch bestanden haben. Dass die SchülerInnen unseren Lehransatz durchaus verstehen und honorieren, zeigen die beiden Stellungnahmen im Anhang. 10. Schulberichte zweier Schülerinnen Eigener Schulbericht von Laura Meine Einstellung zur Schule war eigentlich immer sehr gut, weil ich gerne gelernt habe und es immer noch tue. Nach der Hälfte der 5. Klasse bin ich allerdings nicht mehr zur Schule gegangen. Ein Jahr später habe ich noch einmal  für drei Monate die 7. Klasse besucht. Im Oktober 1999 bin ich dann hier in Spanien in die Schule gekommen und habe hier den Schulstoff von einer Hauptschule bearbeitet. Im April 2002 habe ich die Externe Hauptschulprüfung in Hamburg bestanden. Hier in dieser Schule gehen die Lehrer auf die Schüler zu. Die Lehrer wollen nicht einfach den Unterrichtsstoff durchziehen, sondern achten auf das Tempo der Schüler. In meiner Gruppe waren wir meistens zu dritt. Ein Thema wurde so lange bearbeitet, bis es alle verstanden hatten. Alle Lehrer sind nett und humorvoll. Meine Mitschüler sind auch total nett, aber manchmal wissen sie nicht mit ihrer Nettigkeit umzugehen. Eigener Schulbericht von Sarah Meine Einstellung zur Schule war: "Nein, ich gehe nicht zur Schule, weil ich nicht gut genug bin und ich keine Erfolgserlebnisse habe." Deshalb bin ich auch nicht in die Schule gegangen. Ich habe dann die Schule verweigert. Dann bin ich nach Spanien gekommen und nach ein paar Monaten bin ich in die Schule gegangen. Die erste Zeit habe ich nur einmal die Woche die Schule besucht und nach einiger Zeit bin ich dreimal die Woche gegangen. Nachdem die Sommerferien vorbei waren, bin ich regelmäßig in die Schule gegangen. Jetzt besuche ich schon 9 Monate regelmäßig die Schule. Durch diese Schule habe ich eine neue Einstellung zur Schule erhalten, da hier die Atmosphäre ganz anders ist, da zum Beispiel in einer Unterrichtsgruppe höchstens drei bis vier Jugendliche lernen. Mein erstes Erfolgserlebnis hatte ich, als wir eine Arbeit über Ernährung und Verdauung schrieben. Da habe ich eine 1 bekommen. Zum Hauptschulabschluss: Die Lehrer und Betreuer, denke ich, haben gedacht, dass es zu früh ist, den Hauptschulabschluss zu machen, weil ich ihn nicht schaffen könnte. Die Prüfung für den Hauptschulabschluss war anstrengend und hat mich manchmal an meine Grenzen getrieben. Anfangs war ich sehr nervös, aber es hat sich mit der Zeit gelegt. Ich bin sehr froh, dass ich es hinter mir habe. Danke an die geduldigen Lehrer.
Mosaic

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MOSAIC Associació Socio-Pedagògica per Relacions Interculturals Geschäftsführer: Tomasz Owczarski Pädagogische Leitung: Kerstin Orth Projektschulen: Wolfgang Praszel
ADRESSE El Prat de Sant Pere 1 E-17850 Besalú (Girona) Spanien
Mosaic
Inhaltsverzeichnis: Text zum Download: 1. Struktur 2. Zielgruppen 3. Standorte 4. Schuleinrichtung 5. Lernphasen und Lerngruppen 6. Fremdsprachlicher Unterricht im jeweiligen Gastland 7. Unterrichtsrahmen 8. Vorberufliche Qualifizierung 9. Pädagogische Grundhaltung 10. Schulberichte zweier Schülerinnen 1. Struktur Mosaic bietet in allen bestehenden Projekten Schulunterricht an, der per Fernschulmaterial für jeden Jugendlichen die Möglichkeit bietet einen staatlichen Schulabschluss zu absolvieren. Jugendliche, die sich den Projekten von Mosaic befinden, können unabhängig von Vorbildung und Alter am intensivbetreuten Unterricht teilnehmen. Die enge Zusammenarbeit der Schulen untereinander und der Austausch von Erfahrungen in den einzelnen Schulprojekten ist wichtiger Bestandteil im Förder- und Edukationszentrum von Mosaic. 2. Zielgruppen Die Schulprojekte sind geeignet für SchülerInnen im Alter von 13 und bis über die Volljährigkeit hinaus. Es gibt keine Vorbedingungen bezüglich Schulbesuch oder Leistungsstand. Da unsere SchülerInnen in der Regel jahrelang nicht mehr an irgendeiner Art von Unterricht teilgenommen haben, ist im Vorfeld oft keine Einschätzung darüber möglich, ob eine Lernbehinderung, eine Lernschwäche, eine Teilleistungsstörung oder lediglich Lernschwierigkeiten vorliegen. Voraussetzung für den Schulbesuch ist deshalb vor allem die Bereitschaft des Jugendlichen in die Schule zu kommen sowie eine gewisse Gruppenfähigkeit. 3. Standorte Die Schulprojekte des Can Costica Mädchenprojektes und des Can Oliveras Jungenprojektes befinden sich räumlich getrennt voneinander. Das Förder- und Edukationszentrum der Mädchen befindet sich in der kleinen Stadt Besalú, in der sich auch das Mosaic Projekt Büro befindet. Das Förder- und Edukationszentrum der Jungen befindet sich in Maià de Montcal, einem Nachbardorf von Beuda, dem Standpunkt des Gruppenhauses Can Oliveras. Beide Schulen liegen direkt an der Verbindungsstraße Figueres – Olot und sind deshalb sowohl für die Jugendlichen aus der Gruppe, als auch für die Einzelbetreuten selbständig mit dem Bus oder per Fahrrad zu erreichen. Die Schulprojekte für die spanischen/katalanischen Jugendlichen in Spanien, Deutschland und Polen befinden sich im Aufbau. Das Förder- und Edukationszentrum zur Restaurations-Ausbildungsstätte Molí d'Oli soll in das Projekt selbst eingebunden sein, jedoch im Austausch mit den bestehenden Schulprojekten stehen. 4. Schuleinrichtung Das Förder- und Edukationszentrum der Mädchen ist in einer Fünfzimmerwohnung untergebracht, in der vier Unterrichtsräume und ein Büro Platz finden. Das Förder- und Edukationszentrum der Jungen ist in einem freistehenden Haus mit kleinem Garten untergebracht. Die beiden Unterrichtsräume befinden sich im Erdgeschoss, es besteht zusätzlich die Möglichkeit im überdachten Hof zu lernen. Den Schülern und Schülerinnen steht eine Auswahl an Unterrichtsmaterialien (Schulbücher für die Sekundarstufe I, Computer mit Internetanschluss, Kartenwerke für den Geographie- und Biologieunterricht, Lernspiele usw.) zur Verfügung. Für die Gestaltung und Sauberhaltung der Schulräume sind die Jugendlichen mitverantwortlich. 5. Lernphasen und Lerngruppen Orientierungsphase Bevor die SchülerInnen in den gemeinsamen Unterricht integriert werden, findet für einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen ein „Schnupperunterricht" außerhalb der normalen Schulzeiten statt. Der/Die SchülerIn soll dabei einen ersten Eindruck von den Arbeitsweisen und Möglichkeiten der Schule bekommen und die LehrerInnen kennen lernen. Außerdem ist dieser erste Unterricht nach Jahren ohne systematisches Lernen auch eine Gelegenheit für die Jugendlichen selbst festzustellen, was sie noch können und was nicht. Auch die LehrerInnen versuchen sich ein erstes Bild von Wissensstand, Motivation und Leistungsvermögen der SchülerInnen zu machen. Am Ende der Orientierungsphase wird geklärt, ob der/die SchülerIn zunächst die Vorklasse besucht oder sich direkt auf den Hauptschulabschluss oder den Realschulabschluss vorbereiten wird. Vorklasse In der Vorklasse wird schwerpunktmäßig in den Fächern Deutsch und Mathematik, aber auch in ausgewählten Nebenfächern, an den Stoff des 5. Schuljahres anknüpfend Grundlagenwissen aufgearbeitet, bzw. neu vermittelt (Grundrechenarten in Mathematik, Lesefähigkeit, Rechtschreibung, Grundkenntnisse in Grammatik u.v.m.). Dabei wird ein besonderes Gewicht darauf gelegt, Vertrauen in die eigene Lernfähigkeit zu vermitteln.      Neben dem Standardangebot des Hauptschulabschlusses bieten wir seit einigen Jahren zusätzlich auch einen Realschulabschluss an. Seit kurzer Zeit haben wir unser Programm außerdem durch das Zusatzangebot des Abiturs erweitert. Hauptschulklasse Die SchülerInnen, die ein Förder- und Edukationszentrum besuchen, können jeweils im Frühjahr und Herbst eines Jahres durch Teilnahme an einer schriftlichen und mündlichen Prüfung einen externen Hauptschulabschluss erwerben. Wenn sich SchülerInnen den Erwerb des Hauptschulabschlusses als Ziel setzen, werden sie beim Institut für Lernsysteme in Hamburg oder im sgd - Studiengemeinschaft Darmstadt, (Fernschulen mit Lehrauftrag für deutsche SchülerInnen), angemeldet und nach deutschen Lehrplänen auf den Hauptschulabschluss vorbereitet. Unterrichtsfächer sind in der Regel Deutsch, Mathematik, Biologie, Geschichte, Physik, Englisch, Sozial- und Erdkunde. In der Regel ist mindestens ein Jahr Unterricht in der Hauptschulklasse notwendig, um genügend vorbereitet zu sein. Realschulklasse Ähnlich wie der Hauptschulabschluss kann auch der Realschulabschluss erworben werden. Da die Anforderungen für die SchülerInnen, die zu uns kommen, sehr hoch sind, geschieht die Vorbereitung auf den Realschulabschluss in der Regel nicht in der Gruppe, sondern im Einzelunterricht und Selbststudium. Anders als beim Hauptschulabschluss ist beim Realschulabschluss Englisch (oder eine andere Fremdsprache) zwingend vorgeschrieben. Abitur SchülerInnen, die das Abitur bei uns per Fernschulmaterial absolvieren wollen, lernen selbständig und werden von den LehrerInnen bei Bedarf unterstützt. Berufsqualifizierender Unterricht Nach dem Erwerb des Hauptschulabschlusses bieten die Schulprojekte für diejenigen SchülerInnen, die noch im jeweiligen Projekt bleiben, aber nicht den Realschulabschluss machen wollen, berufsqualifizierenden Unterricht an. Dieser Unterricht umfasst Berufsfindungstests, Bewerbungstraining, Vermittlung von Grundkenntnissen in Arbeitsrecht und Wirtschaft u.a.m.. Über die Anzahl der Unterrichtsstunden pro Woche und die Dauer des Kurses muss von Fall zu Fall entschieden werden - je nachdem, ob der/die SchülerIn in absehbarer Zeit nach Deutschland zurückkehrt oder hier vor Ort berufspraktische Angebote wahrnimmt.    Die Lernphasen in den Projekten Can Pairó für spanische/katalanische Jugendliche und Molí d'Oli für europäische Jugendliche weichen von den hier beschriebenen ab und berücksichtigen die schulischen Strukturen des jeweiligen Landes. 6. Fremdsprachlicher Unterricht im jeweiligen Gastland In den Schulprojekten für deutsche Jugendliche wird auch Unterricht in Spanisch und/oder Katalanisch angeboten. Dieser Unterricht soll den SchülerInnen die Kontaktaufnahme vor Ort vereinfachen. Kenntnisse in der Landessprache erleichtern aber auch die Möglichkeit, berufliche Praktika zu finden und an den berufsorientierenden Kursen der katalanischen Regierung teilzunehmen (s.u.). Außerdem bietet sich hier den SchülerInnen, die zumeist keine oder kaum Englischkenntnisse besitzen, die Möglichkeit, eine Fremdsprache zu erlernen, was nicht nur für ihren weiteren Bildungsweg wichtig ist, sondern ihnen auch die positive Erfahrung vermittelt, dass sie andere Sprachen lernen können. In den Förder- und Edukationszentren für katalanische Jugendliche soll ebenfalls die Möglichkeit bestehen auf die jeweilige Landessprache vorbereitet zu werden und sie nach Ankunft im jeweiligen Auslandsprojekt zu vertiefen. Die Jugendlichen der Restauration- Ausbildungsstätte Molí d'Oli müssen vorab einen spanischen oder katalanischen Sprachkurs absolvieren, um sich mit den einheimischen Fachkräften auf der Baustelle verständigen zu können. Auch da Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern Europas aufeinander treffen sollen, werden während der Teilnahme am Programm die Kenntnisse der bisher erlernten Fremdsprachen ausgebaut werden können. 7. Unterrichtsrahmen Förder- und Edukationszentrum der Mädchen: Der Unterricht findet am Montag, Dienstag und Donnerstag jeweils von 08.20 Uhr bis 13.30 Uhr, am Mittwoch und Freitag von 10:20 Uhr bis 13:30 Uhr statt. Die Zeiten orientieren sich an den Busfahrzeiten. Pro Tag finden vier, bzw. sechs Unterrichtsstunden à 35 Minuten statt. Der Freitag ist zusätzlich mit Tests, Putzen und Schulbesprechung/Einzelgesprächen besonders gestaltet. Förder- und Edukationszentrum der Jungen: Der Unterricht findet Montag und Donnerstag Nachmittag von 14 bis 18 Uhr und Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 14 Uhr statt. Pro Tag erfolgen sechs Unterrichtsstunden à 30 Minuten. Der Freitag ist zusätzlich mit Tests, Putzen und Schulbesprechung besonders gestaltet.    In beiden Schulen finden regelmäßig Konferenzen und Teamsitzungen zwischen LehrerInnen und den Bezugsbetreuern statt 8. Vorberufliche Qualifizierung Interessierte SchülerInnen der Schulprojekte können ein Praktikum absolvieren, um klarere Vorstellungen über einen zukünftigen Beruf zu bekommen. Da es zum Beispiel im Gesundheitsbereich auch deutschsprachige Fachkräfte gibt, sind spanische Sprachkenntnisse dafür keine Voraussetzung. Darüber hinaus können aber auch die Berufsvorbereitungskurse der katalanischen Regierung von unseren SchülerInnen genutzt werden. Diese Kurse entsprechen in etwa den Maßnahmen, die die Bundesanstalt für Arbeit für arbeitslose Jugendliche anbietet. Sie vermitteln praktische und theoretische Grundkenntnisse in verschiedenen Berufsbereichen (z.B. im Hotel- und Gaststätten-, Friseur- und Maurerbereich). Für die erfolgreiche Teilnahme an diesen Kursen erhalten die SchülerInnen ein Zertifikat. Bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind die LehrerInnen und BetreuerInnen den Jugendlichen behilflich 9. Pädagogische Grundhaltung Die Förder- und Edukationszentren haben es sich zur Aufgabe gemacht, einen Unterricht anzubieten, der sich in erster Linie an den SchülerInnen und ihrer jeweiligen Problematik orientiert. Insbesondere die große Flexibilität der Unterrichtsformen und Methoden und das günstige Verhältnis der LehrerInnen- und SchülerInnenzahl macht ein individuell abgestimmtes Unterrichtsangebot möglich. Die LehrerInnen der Schulprojekte gehen davon aus, dass praktisch alle Jugendlichen im Projekt traumatische Erfahrungen mit Lernen, LehrerInnen und Schule gemacht haben und verstehen sich deshalb nicht nur als WissensvermittlerInnen, sondern auch als LerntherapeutInnen, die den SchülerInnen zu einer neuen Selbsterfahrung als lernfähige und intelligente Menschen verhelfen wollen. Die LehrerInnen der Schulprojekte bemühen sich, die einzelnen SchülerInnen auch in Phasen mangelnder Motivation immer wieder neu für den Lernprozess zu gewinnen und SchülerInnen mit großer Motivation ebenfalls entsprechend ihren Bedürfnissen und ihrer Begabung zu unterrichten. Immer wieder wird gemeinsam nach Möglichkeiten und Wegen gesucht, eine Brücke zwischen den individuellen Schwierigkeiten und dem gesteckten Ziel zu bauen. Dabei ist es unter Umständen auch nötig die persönlich angestrebten Ziele der SchülerInnen neu zu überdenken und gegebenenfalls zu korrigieren. Für die Richtigkeit dieser Überlegungen scheint für uns zu sprechen, dass alle SchülerInnen, die wir in den letzten Jahren für die Hauptschulprüfung angemeldet haben, diese Prüfung auch bestanden haben. Dass die SchülerInnen unseren Lehransatz durchaus verstehen und honorieren, zeigen die beiden Stellungnahmen im Anhang. 10. Schulberichte zweier Schülerinnen Eigener Schulbericht von Laura Meine Einstellung zur Schule war eigentlich immer sehr gut, weil ich gerne gelernt habe und es immer noch tue. Nach der Hälfte der 5. Klasse bin ich allerdings nicht mehr zur Schule gegangen. Ein Jahr später habe ich noch einmal  für drei Monate die 7. Klasse besucht. Im Oktober 1999 bin ich dann hier in Spanien in die Schule gekommen und habe hier den Schulstoff von einer Hauptschule bearbeitet. Im April 2002 habe ich die Externe Hauptschulprüfung in Hamburg bestanden. Hier in dieser Schule gehen die Lehrer auf die Schüler zu. Die Lehrer wollen nicht einfach den Unterrichtsstoff durchziehen, sondern achten auf das Tempo der Schüler. In meiner Gruppe waren wir meistens zu dritt. Ein Thema wurde so lange bearbeitet, bis es alle verstanden hatten. Alle Lehrer sind nett und humorvoll. Meine Mitschüler sind auch total nett, aber manchmal wissen sie nicht mit ihrer Nettigkeit umzugehen. Eigener Schulbericht von Sarah Meine Einstellung zur Schule war: "Nein, ich gehe nicht zur Schule, weil ich nicht gut genug bin und ich keine Erfolgserlebnisse habe." Deshalb bin ich auch nicht in die Schule gegangen. Ich habe dann die Schule verweigert. Dann bin ich nach Spanien gekommen und nach ein paar Monaten bin ich in die Schule gegangen. Die erste Zeit habe ich nur einmal die Woche die Schule besucht und nach einiger Zeit bin ich dreimal die Woche gegangen. Nachdem die Sommerferien vorbei waren, bin ich regelmäßig in die Schule gegangen. Jetzt besuche ich schon 9 Monate regelmäßig die Schule. Durch diese Schule habe ich eine neue Einstellung zur Schule erhalten, da hier die Atmosphäre ganz anders ist, da zum Beispiel in einer Unterrichtsgruppe höchstens drei bis vier Jugendliche lernen. Mein erstes Erfolgserlebnis hatte ich, als wir eine Arbeit über Ernährung und Verdauung schrieben. Da habe ich eine 1 bekommen. Zum Hauptschulabschluss: Die Lehrer und Betreuer, denke ich, haben gedacht, dass es zu früh ist, den Hauptschulabschluss zu machen, weil ich ihn nicht schaffen könnte. Die Prüfung für den Hauptschulabschluss war anstrengend und hat mich manchmal an meine Grenzen getrieben. Anfangs war ich sehr nervös, aber es hat sich mit der Zeit gelegt. Ich bin sehr froh, dass ich es hinter mir habe. Danke an die geduldigen Lehrer.